Offener Brief: Die Wirtschaft zur Verantwortung rufen

  • Faire Arbeit
  • Umweltverantwortung und zirkuläres Wirtschaften

Über 25 B Corps in Deutschland haben einen offenen Brief an die Wirtschaft unterschrieben, in dem sie die Wirtschaft auffordern, die gewinnmaximierende Ausrichtung des letzten Jahrhunderts in Frage zu stellen und Verantwortung für die Auswirkungen auf alle Beteiligten zu übernehmen.

Hallo Wirtschaft,

seit über 100 Jahren fährst du den gleichen Weg und stellst Gewinne über alles: Über die Umwelt, über die Gemeinschaft, über das Wohl der Menschen.

Dabei zeigt uns nicht nur unser Planet, sondern auch die Gesellschaft mehr als deutlich, dass dieser Weg keine Zukunft hat. Wir brauchen einen Wandel des Wirtschaftssystems. Einen Ansatz, der die Bedürfnisse aller mit einbezieht.

Als zertifizierte B Corporations zeigen wir, dass das funktioniert. Wir durchbrechen die Grenzen deines Denkens und gehen darüber hinaus. Nicht durch große Floskeln, sondern durch die permanente und messbare Verbesserung unserer ökologischen und sozialen Leistung.

Wir, das sind über 6500 Unternehmen weltweit, mehr als 70 davon aus Deutschland. Wir sind eine globale Bewegung, die stetig wächst und jeden Tag daran arbeitet, die Weltwirtschaft in ein integrativeres, gerechteres und regeneratives System zu verwandeln.

Es ist nicht mehr die Zeit, nur zu reden, sondern allerhöchste Zeit, zu handeln. Zeit, die Kraft der Wirtschaft für Veränderungen zu nutzen. Hin zu transparentem Klimaschutz, zu fairen Lieferketten und zu einem globalen Miteinander. Aber um das zu schaffen, müssen alle mitmachen – große Konzerne genauso wie kleine Start-Ups.

Als B Corporations arbeiten wir Hand in Hand. Ohne den Anspruch, perfekt zu sein. Aber mit dem festen Willen, voneinander zu lernen, der Verpflichtung, alle Stakeholder:innen mit einzubeziehen und dem Anspruch, stetig besser zu werden. Und vor allem eins: zu handeln. Schließt euch uns an und werdet Teil der weltweiten B Corp-Bewegung!

We are B Corps. We go beyond.

Alle Unterzeichnenden:
Stand 19.Juli 2023

EVERGREEN GmbH

infarm

Nespresso

Weleda

respektive1 GmbH

PNZ Produkte GmbH

altamedinet

Unique-U

ecotree

Y2B

innocent

Wildling Shoes GmbH

Innate Motion

ekomia GmbH

ANINSU

Nextview Consulting

the nu company GmbH

Vinokilo

neosfer GmbH

Tomorrow GmbH

Sustainable Growth Associates GmbH

neu.land GmbH

Startnext GmbH

soulproducts GmbH

fairpension

Elephant Gin GmbH

ferrer

The Makers Food

share GmbH

Chiesi GmbH

railslove

Danone D-A-CH

St. Oberholz Consulting GmbH

Freche Freunde erdbär GmbH

Peerigon GmbH

Endeva

GOT BAG

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Zentek: Eine Fallstudie über den erfolgreichen Erhalt der B Corp-Zertifizierung durch interne Einbindung

  • Abfallwirtschaft & Recycling
  • Fallstudie

Diese Fallstudie zur B-Corp-Zertifizierung von Zentek enthält wertvolle Erkenntnisse über die erfolgreiche Einbindung von Stakeholdern und Teamarbeit auf dem Weg des Unternehmens zur zertifizierten B Corporation.

zentek

Über Zentek

Zentek wurde 1995 als Gemeinschaft führender mittelständischer Entsorgungsunternehmen in Deutschland gegründet und agiert konzernunabhängig. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Entsorgungssysteme und Abfallmanagement und entwickelt maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen in ganz Deutschland.

Im Oktober 2023 erhielt Zentek die B Corp-Zertifizierung, die auf einem partizipativen Ansatz beruht. Auf dem Weg zur B Corp förderte das Unternehmen sein Engagement für Umweltschutz effektiv, indem es eine breite interne Beteiligung an Nachhaltigkeitsthemen aus dem B Impact Assessment (BIA) anregte.

Die Rolle des Impacts bei Zentek

Als Unternehmen in der Abfallentsorgungs- und Recyclingbranche setzt Zentek das Konzept der Kreislaufwirtschaft täglich in die Praxis um und ist in allen Dienstleistungen nachhaltig positioniert. Das Unternehmen strebt eine vollständige Materialrückgewinnung und damit hochwertiges Recycling an und unterstützt seine Kunden auf dem Weg zu nachhaltigen Verpackungen und geschlossenen Kreislauflösungen. Durch die Vernetzung mit Universitäten und Arbeitsgruppen sowie die Unterstützung von Forschungsprojekten zur Ressourcenschonung engagiert sich das Unternehmen für die Transformation hin zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Christoph Heller
Christoph Heller, Geschäftsführung
Zentek

„Es war uns wichtig, einen Schritt weiter zu gehen und unsere ökologische und soziale Nachhaltigkeitsleistung als Unternehmen kritisch überprüfen zu lassen. Mit der Zertifizierung ist es uns gelungen, sowohl intern als auch extern zu zeigen, wie differenziert unser Ansatz zur Nachhaltigkeit ist, und wir konnten eine langfristige Nachhaltigkeitsstruktur etablieren, die auf kontinuierliche Verbesserung abzielt.“

Laut Zentek haben während des Zertifizierungsprozesses alle gelernt, dass Nachhaltigkeit viel mehr als nur ‚grün‘ ist und dass ein ganzheitlicher und weitsichtiger Ansatz unerlässlich ist. Der Entsorgungsdienstleister ist sich der Herausforderungen der Zeit und der Branche bewusst und konnte mit B Corp eine Grundlage schaffen, um auf kommende gesetzliche Regelungen (wie die CSRD) zu reagieren und seine Kunden als kompetenter Partner zu unterstützen.

Sabine Tachl
Sabine Tächl, Leiterin des Nachhaltigkeitsmanagements
Zentek

„Für uns bedeutet Nachhaltigkeit vor allem eines: anfangen. Egal wie groß oder klein der eigene Beitrag oder der des Unternehmens sein mag – jeder Schritt zählt. Nachhaltigkeit umfasst viele Themen und von niemandem wird erwartet, sofort eine große Wirkung zu erzielen: Der eine investiert in eine Solaranlage, der andere nutzt öffentliche Verkehrsmittel und wieder ein anderer repariert kaputte Geräte. Es gibt auch überall blinde Flecken. Es ist wichtig, sich dieser Schwächen bewusst zu sein und zu wissen, wie man damit umgeht.“

B Corp-Zertifizierung: ein gemeinschaftliches Vorgehen

Im Spätsommer 2022 gründete Zentek ein B Corp-Team mit Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen – Nachhaltigkeitsmanagement, Vertrieb, Personal, Finanzen, Qualitätsmanagement, Recht, Marketing, Design und Geschäftsführung – das sich regelmäßig traf, um den Umgang mit dem B Impact Assessment zu reflektieren, zu hinterfragen und zu optimieren. Das B Impact Assessment (BIA) ist eine kostenlose, vertrauliche Plattform, die entwickelt wurde, um den positiven Einfluss eines Unternehmens auf seine Mitarbeiter, die Gemeinschaft, die Kunden und die Umwelt zu messen und zu steuern. Jedes Unternehmen, das eine B Corp-Zertifizierung anstrebt, muss eine verifizierte Bewertung durchlaufen. Von Anfang an war Zentek überzeugt, dass das umfangreiche Thema der Unternehmensnachhaltigkeit nicht isoliert von Nachhaltigkeitsmanagern behandelt werden sollte, sondern dass es eine möglichst breite Diskussion erfordert und daher eine Vielzahl von Abteilungen in ihrem B Corp-Team vertreten sein sollten.

Das Team entschied sich für ein agiles Prozessmanagement basierend auf Scrum und arbeitete in Sprints. Aus heutiger Sicht sind die Mitglieder überzeugt, dass dieser strukturierte Ansatz zur B Corp-Zertifizierung und die aufschlussreichen Retrospektiven, die ihnen zeigten, wie sie ihre Ziele besser und schneller erreichen konnten, entscheidend waren. Rückblickend erinnert sich das Team, wie sie nach den ersten Wochen der Auseinandersetzung mit dem B Impact Assessment von der Vielfalt und Tiefe der Themen leicht überfordert waren und bis zu diesem Zeitpunkt nur kleine Fortschritte gemacht hatten, was ernüchternd wirkte. Große Aufgaben mussten in kleinere Teilaufgaben zerlegt werden. Das Projekt erforderte eine gründliche Untersuchung der Unternehmensauswirkungen und die Einbeziehung möglichst vieler Kolleginnen und Kollegen.

Obwohl Zentek von Anfang an intern und extern regelmäßig über die Fortschritte im Zertifizierungsprozess kommuniziert hatte, wurde es zum neuen Fokus, B Corp zu einer gemeinsamen Aufgabe zu machen, an der alle Mitarbeiter teilhaben konnten. Anstatt notwendige Änderungen nur auf Managementebene zu durchdenken und vorzuschreiben (Top-down), sollten alle Kolleginnen und Kollegen die Veränderungen selbst mitgestalten können (Bottom-up). Folglich bedeutete dies, allen die Angst vor der Komplexität von B Corp zu nehmen, Inhalte und Themen Schritt für Schritt aufzubereiten und sie so konkret wie möglich zu präsentieren. Es dauerte nicht lange, bis sich das Team in seiner Strategie bestätigt fühlte, da sie sahen, dass sie deutlich mehr Aufgaben in einem Sprint erledigen konnten als zuvor.

Sabine Tachl
Sabine Tächl, Leiterin Nachhaltigkeitsmanagement
Zentek

„Da wir alle nach der Zertifizierung stolz sagen wollten, dass wir eine B Corp sind, war es wichtig, dass alle Mitarbeiter genau wussten, worum es geht und aktiv dazu beitragen konnten. Dieses Gemeinschaftsgefühl und die wachsende Identifikation mit den Werten von B Corp auf allen Seiten wirkten als echte Verstärker.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die regelmäßige interne und externe Kommunikation mit Fortschrittsupdates, Erläuterungen zu B Corp und Einblicken oder Ratschlägen von anderen B Corps. Dies trug enorm zur Entwicklung von Verständnis, Begeisterung und vollem Engagement unter den Mitarbeitern bei. Das Team setzte wiederholt auf Mitmach-Aufrufe und Umfragen sowie auf Workshops und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen aus dem BIA. So konnte die Belegschaft zahlreiche nachhaltige Maßnahmen umsetzen und dadurch nicht nur den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens reduzieren, sondern gemeinsam den Handabdruck vergrößern.

Kim Weber
Kim Weber, Marketing & Kommunikation
Zentek

„Unsere Kollegen sind begeistert von unserer Nachhaltigkeitsreise und engagieren sich auf vielfältige Weise, weil sie wissen, dass sie etwas bewirken können.“

Als ein Beispiel erwies sich die interaktive Inhouse-Ausstellung über B Corp als besonders effektives Kommunikationsmittel, das den Mitarbeitern ein besseres Verständnis von B Corp ermöglichte. Es gab Stände, an denen man mehr über die fünf Wirkungsdimensionen – Mitarbeiter, Kunden, Gemeinschaften, Umwelt und Unternehmensführung – erfahren konnte. Zusätzlich konnten sich die Mitarbeiter an praktischen Aktivitäten und Wettbewerben beteiligen, es gab eine Feedback-Ecke als Raum für Kritik, Wünsche und Vorschläge sowie Vorträge über Errungenschaften und Videos mit Einblicken in die B Corp-Reisen anderer Unternehmen. Abgerundet wurde das Ganze durch Snacks von zertifizierten B Corps, um das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum und das B Corp-Label zu schärfen. Mit dieser Maßnahme konnte laut Zentek die Begeisterung für B Corp und das Engagement der Belegschaft, zur nachhaltigen Transformation beizutragen, weiter gestärkt werden.

Die Reise der kontinuierlichen Verbesserung

Mit einem beeindruckenden Impact-Score von 99,9 Punkten übertraf Zentek die Erwartungen und führt die erfolgreiche Zertifizierung auf die bedeutende Beteiligung seiner Belegschaft zurück. Wie bei jedem B Corp wird Zentek alle drei Jahre eine Rezertifizierung durchlaufen müssen, um das kontinuierliche Engagement des Unternehmens für positive Wirkung zu beweisen. Das Zentek-Team ist motiviert, seine sorgfältigen Bemühungen für Zenteks Rezertifizierung aufrechtzuerhalten und weiter zu verbessern.

Ralf Lang
Ralf Lang, Personal
Zentek

„Wir konnten die vielen großen und kleinen Dinge auflisten, die wir erreicht haben – von zahlreichen Energiesparmaßnahmen über noch nachhaltigere Kriterien in der Beschaffung und das Gründen eines Diversity-Teams bis hin zu einer Reihe neuer Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement. In vielen Bereichen des Unternehmens wurden entscheidende Grundlagen gelegt und neue Strukturen geschaffen, von denen aus es nun unsere Aufgabe ist, das volle Potenzial auszuschöpfen.“

Mit Hilfe eines Screening-Tools für Entsorgungsunternehmen möchte Zentek in Zusammenarbeit mit seinen Entsorgungspartnern noch mehr positive Wirkung erzielen und durch die Erfassung des Materialrecyclings den Unternehmenszielen näherkommen. Ebenso blickt das Unternehmen in Bezug auf die Personalarbeit nach vorn, mit der Einführung eines standardisierten Feedback-Prozesses und neuen Führungskräftetrainings, die auf positive Veränderungen abzielen. Ein weiteres Highlight ist die kürzlich erfolgte Implementierung etablierter Prozesse in verschiedenen Geschäftsbereichen, die die Messung der Auswirkungen auf Stakeholder erleichtern. Dies ermöglichten eine kontinuierliche Überwachung und eine fundierte Berücksichtigung der Stakeholder-Auswirkungen bei zukünftigen Entscheidungen.

Kim Weber
Kim Weber, Marketing & Kommunikation
Zentek

„Insgesamt fühlen wir uns auch in unserer Entscheidung bestätigt, aus unserem Zertifizierungsprozess keine Black Box zu machen, sondern regelmäßig und transparent mit unseren Kollegen und der Öffentlichkeit zu teilen, mit welchen Themen wir uns beschäftigen, welchen Herausforderungen wir gegenüberstehen und welche Fortschritte wir schließlich gemacht haben. Kein Unternehmen ist perfekt – überall gibt es Potenzial. Wir denken, es ist wichtig, ehrlich darüber zu sein und offen über mögliche Misserfolge zu sprechen, denn der Weg ist das Ziel. So konnten wir bereits einige neue Teamplayer gewinnen, die unseren Weg verfolgt haben und bereit sind, uns bei der Förderung einer nachhaltigeren Wirtschaft zu unterstützen, was großartig ist.“

Erkenntnisse aus dem B Corp-Zertifizierungsprozess

  • #1

    Beteiligung fördern

    Vielfältige Möglichkeiten für Mitarbeiter bieten, Teil der B Corp-Reise zu sein und den Wandel mitzugestalten! Dies können Umfragen, Quiz, Schulungen, Workshops und interaktive Inhouse-Veranstaltungen umfassen, um die Teilnahme und Begeisterung zu fördern.

  • #2

    Balance zwischen Struktur und Flexibilität

    Wenn Aufgaben zu groß erscheinen, sollten sie in kleinere, besser handhabbare Teilaufgaben zerlegt werden, die auf mehrere Personen verteilt werden können! Agiles Prozessmanagement wie Scrum kann hierfür den richtigen Rahmen bieten.

  • #3

    Den Weg der kontinuierlichen Verbesserung annehmen

    B Corp ist ein beeindruckendes Label, aber es ist die Arbeit auf dem Weg dorthin, die die meiste Anerkennung verdient! Für eine nachhaltige Transformation muss man nicht perfekt sein. Indem man Mitarbeiter frühzeitig einbezieht, kann man die Angst vor Veränderungen in Energie für eine größere Wirkung umwandeln. Transparente Kommunikation, die lange vor der Zertifizierung beginnt, fördert das interne Verständnis und Engagement und erleichtert wertvolle externe Kontakte und Ratschläge.

Interview mit Business Sustainability Analystin Nicola Tröge zum Thema Rezertifizierung

  • Umweltverantwortung und zirkuläres Wirtschaften

Für alle zertifizierten B Corps steht in spätestens drei Jahren die Rezertifizierung an. Für viele B Corps stellt sich dahingehend die Frage “Wie gehen wir das Thema besten an, wie bereiten wir uns vor”? Wir haben uns daher sehr gefreut ein Interview mit Nicola Tröge führen zu können, die als Business Sustainability Analystin bei B Lab Europe Unternehmen im Rezertifizierungsprozess begleitet. In diesem Interview gibt sie wertvolle Einblicke in Ihre Arbeit und Tipps, was B Corps tun können, um sich bestmöglich vorzubereiten.

Nicola, schön, dass Du dir Zeit nimmst für unsere Fragen! Du bist Business Sustainability Analystin im Review Team von B Lab Europe. Kannst du kurz beschreiben, was das genau heißt und wofür Du verantwortlich bist?

Als Business Sustainability Analysten leiten wir Unternehmen durch die sogenannte Verifizierungsphase. In dieser Verifizierungsphase werden die Antwortoptionen, die innerhalb des Assessments ausgewählt wurden, verifiziert. Im Laufe dieses Prozesses werden zum Beispiel Belege angefordert, die die ausgewählten Antwortoptionen bestätigen. Als Business Sustainability Analysten stehen wir demnach im regen Austausch mit Unternehmen, um festzustellen auf welche Art und Weise positiver Impact kreiert wird. Wir helfen Unternehmen dabei, diesen positiven Impact richtig im Assessment widerzuspiegeln und der resultierende finale Punktestand entscheidet am Ende der Verifizierungsphase darüber, ob ein Unternehmen Teil der B Corp Community wird oder bleibt (im Falle einer Rezertifizierung).

Stichpunkt „Rezertifizierung“. Alle zertifizierten B Corporations müssen spätestens alle drei Jahre die Rezertifizierung durchlaufen. Worauf achtest Du in dem Prozess besonders?

Im Grossen und Ganzen ähnelt die Rezertifizierung der ursprünglichen Zertifizierung. Es wird erneut ein Assessment seitens des Unternehmens ausgefüllt und es werden ebenfalls die Phasen der Evaluierung und der Verifizierung durchlaufen. In diesen Phasen werden erneut Informationen in Bezug auf beispielsweise die Unternehmensstruktur und das Produkt- und Serviceangebot der B Corp angefragt.

In Bezug auf die Rezertifizierung wird besonderes Augenmerk auf Veränderungen innerhalb der B Corp gelegt. Hat sich die Mission des Unternehmens verändert? Werden neue Produkte oder neue Services angeboten? Haben sich die bestehenden Produkte oder Services möglicherweise verändert? Dies sind unter anderem wichtige Aspekte, die den positiven Impact des Unternehmens beeinflussen können.

Die Rezertifizierung kann als neue ‘Bestandsaufnahme’ gesehen werden. In einem Zeitfenster von drei Jahren kann sich in Unternehmen viel verändern und wir möchten diese Veränderungen im Assessment widerspiegeln. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass ein neues Impact Business Model zutrifft. Ein Beispiel dafür wäre ein Lebensmittelhersteller, der innerhalb der drei Jahre zusätzlich Fairtrade-zertifizierte Inhaltsstoffe eingeführt hat. Der positive Impact, der durch diese Umsetzung erreicht wird, wird durch ein zusätzliches Impact Business Model im Assessment widergespiegelt.

Viele Unternehmen nutzen dieses Zeitfenster von drei Jahren auch, um den unternehmenseigenen Impact zu verbessern. Hier bietet auch das Assessment-Tool direkte Hilfestellungen. Unternehmen können dafür zum Beispiel einen persönlichen ‘Improvement Report’ im B Impact Assessment erstellen. Viele Unternehmen verbessern auf diese Art und Weise im Vergleich zur Erstzertifizierung ihren positiven Impact und infolgedessen auch ihren Punktestand.

 

Hast Du den Eindruck, dass manche Unternehmen sich mit der Rezertifizierung schwerer tun als bei der Erstzertifizierung und wenn ja, warum?

Diese Frage lässt sich pauschal schwer beantworten. Es gibt aber mehrere Aspekte, die beeinflussen können, ob sich Unternehmen mit der Rezertifizierung schwerer tun als mit der Erstzertifizierung.

Viele Unternehmen empfinden es als Vorteil, dass sie sich bereits mit der Art und Weise, wie das Assessment funktioniert, auskennen. So haben bestehende B Corps schon ein Verständnis für beispielsweise die Impact Areas, den Aufbau der Fragen und den Ablauf des Verifizierungsprozesses.  Das kann dazu beitragen, dass es B Corps wesentlich einfacher fällt, die Rezertifizierung zu durchlaufen.

Durch die Erstzertifizierung wissen Unternehmen auch, welche Art von Dokumentation angefragt wird. Das erleichtert die Vorbereitung auf die Rezertifizierung. Die Belege können so beispielsweise im Laufe der drei Jahre mit Hinblick auf die Rezertifizierung besser vorbereitet werden.

Während der Erstzertifizierung (und jeder weiteren Rezertifizierung) können Unternehmen zudem Möglichkeiten erkennen, ihren Impact zu verbessern. Viele Unternehmen nutzen das B Impact Assessment so aktiv über die Jahre als Tool, um gewisse Aspekte in die Unternehmenspraxis zu integrieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass sich innerhalb von drei Jahren nicht nur höchstwahrscheinlich die Unternehmenspraxis innerhalb der B Corp verändert, sondern sich ebenfalls die Standards seitens B Lab weiterentwickeln. Insbesondere in Bezug auf Rezertifizierungen ist es wichtig, zu verstehen, dass es in einem Rhythmus von circa drei Jahren zu so genannten ‘Version Changes’ kommt. Durch solche Veränderungen kann es zum Beispiel dazu kommen, dass B Corps im Rahmen der Rezertifizierung neue Fragen beantworten müssen, die während der Erstzertifizierung nicht abgefragt wurden.

Die existierenden Standards werden verändert, um sicherzustellen, dass die Art und Weise wie ‘positiver Impact’ definiert und evaluiert wird, stetig verbessert wird. Das Niveau der Standards steigt daher über die Jahre stetig an. So kann die Rezertifizierung für Unternehmen, deren Punktestand bei der Erstzertifizierung nahe der 80-Punkte-Minimumgrenze lag, eine Herausforderung darstellen. Insbesondere für solche Unternehmen kann es interessant sein, das Assessment als Tool zu nutzen, um zu erkennen in welchen Bereichen Verbesserungspotential besteht. Im Hinblick auf die anstehende Rezertifizierung können dann bestimmte Praktiken integriert werden, die Unternehmen  auf das steigende Niveau der Standards vorbereitet.

 

Was sind aus Deiner Sicht die zentralen Voraussetzungen, damit Unternehmen ohne große Hürden durch den Prozess kommen?

Ich würde gerne auf vier Aspekte eingehen, die einen reibungslosen Verifizierungssprozess fördern.

  1. Bevor die Verifizierungsphase beginnt, werden Unternehmen darum gebeten, die Unternehmensstruktur zu dokumentieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, da die Unternehmensstruktur und in Beziehung stehende Marken das Assessment beeinflussen können. Wenn dieser Aspekt zu Beginn korrekt dokumentiert wird, können nachträgliche Veränderungen vermieden werden, die zusätzlichen Aufwand bedeuten. Es ist wichtig in Erinnerung zu behalten, dass Unternehmen zertifiziert werden und nicht Marken als solche.

  2. Ein weiterer Aspekt, der im besten Falle vor der Rezertifizierung abgeschlossen werden sollte, ist die Anpassung der Unternehmenssatzung. Die Eingliederung der zusätzlichen Paragraphen in die Unternehmenssatzung nimmt in der Regel Zeit in Anspruch und es ist daher sinnvoll diese Anpassung vorab zu vervollständigen. Ein wichtiger Tipp diesbezüglich; sollte die Unternehmensstruktur mehrere Unternehmen enthalten, so ist es ratsam unsere Community Manager zu kontaktieren, um festzustellen welches Unternehmen die Anpassung vollziehen sollte.

  3. Wie bereits erwähnt, ist es sehr wichtig, dass alle ausgewählten Antwortoptionen mit Dokumentation belegt werden können. Die Auswahl der Antwortoptionen sollte auf Basis bestehender schriftlicher Dokumentation getroffen werden, damit deutlich gemacht werden kann, welche Aspekte in die Unternehmenspraxis integriert sind.

  4. Ein weiterer Aspekt, der dazu beiträgt, dass die Rezertifizierung ohne grosse Hürden vollendet werden kann, ist das Erörtern von Verbesserungspotential im Rahmen des Assessments. Wie bereits besprochen, kann das B Impact Assessment als Tool genutzt werden, um den positiven Impact, den das Unternehmen kreiert zu verbessern. Das bereitet Unternehmen auf das steigende Niveau der Standards vor und trägt zu einem erfolgreichen Rezertifizierungsprozess bei.

 

Die B Corp-Bewegung wird auch als “Movement of Improvement” bezeichnet: wie wichtig sind Impact-Verbesserungen für die Rezertifizierung? 

Als “Movement of Improvement” verstehen wir uns als Bewegung, die kontinuierlich lernt und sich verbessert. Die existierenden Standards und Prozesse werden verändert, um sicherzustellen, dass die Art und Weise wie ‘positiver Impact’ definiert und evaluiert stetig verbessert wird. Das Niveau der Standards steigt daher über die Jahre stetig an.

Während die Minimumgrenze von 80 Punkten als solche besteht, so geht es im Rahmen der B Corp Bewegung doch darum den positiven Impact in Bezug auf soziale und umweltbezogene Aspekte über die Zeit zu verbessern.

Nachdem die Erstzertifizierung abgeschlossen wurde und ein Unternehmen Teil der B Corp Community geworden ist, bestärken wir Unternehmen das “Movement of Improvement”-Mindset im Unternehmen zu integrieren. So kann das B Impact Assessment wie erwähnt, als genutzt werden, um zu erkennen in welchen Bereichen Verbesserungspotential besteht. Sollte ein Unternehmen beispielsweise während der Erstzertifizierung kein “Environmental Management System” implementiert haben, so könnte dies ein Aspekt sein, der innerhalb der drei Jahre in Vorbereitung auf die Rezertifizierung eingeführt werden kann.

 

Welche Tipps würdest Du Unternehmen geben, die sich jetzt für die Rezertifizierung vorbereiten? Wie viel Vorlaufzeit sollen diese einplanen?

Es ist hilfreich, sich im Voraus auf die Rezertifizierung vorzubereiten, da auf diese Weise ein erfolgreicher Verifizierungsprozess gefördert wird. Die Zeit der Vorbereitung kann dabei je nach Unternehmensgröße und Komplexität variieren. Daher teile ich im Folgenden ein paar generelle Tipps:

Zum einen empfehle ich, sich nach der Erstzertifizierung, wenn sich Unternehmen gerade intensiv mit dem Assessment beschäftigt haben, schon strategisch mit der Rezertifizierung auseinander zu setzen. Das erlaubt es Unternehmen den Zeitraum von drei Jahren bis die Rezertifizierung ansteht effizient zu nutzen, um sich auf die Rezertifizierung vorzubereiten. Es kann beispielsweise hilfreich sein, den “Improvement Report” im B Impact Assessment als Tool zu nutzen, um gewisse Aspekte bis zur Rezertifizierung in die Unternehmenspraxis zu integrieren.

Es ist wichtig, dass die ausgewählten Antwortoptionen im Assessment belegt werden können. Ein Tipp diesbezüglich ist, Dokumentation für die ausgewählten Antwortoptionen bereitzuhalten. Diese könnte beispielsweise schon zusammengetragen werden, wenn das Assessment ausgefüllt wird, damit ein Großteil der Belege den Unternehmen während der Verifizierungsphase bereits vorliegen.

Ein weiterer Tipp ist es, schon zu Beginn der Rezertifizierung unternehmensinterne Experten für die unterschiedlichen Impact Areas zu involvieren. Das B Impact Assessment deckt unterschiedliche Bereiche des Unternehmens ab und es ist selten nur eine Person, die sich mit allen Aspekten auskennt. Es ist daher empfehlenswert in einem Team von Experten zu arbeiten. Das fördert beispielsweise die Auswahl der richtigen Antwortoptionen gleich zu Beginn der Rezertifizierung. Werden dann Belege in der Verifizierungsphase angefragt, so können diese höchstwahrscheinlich bereitgestellt werden, da die Antwortoption von Experten aus dem jeweiligen Bereich ausgewählt wurde.

Liebe Nicola, ein großes DANKE an Dich, für Deine Zeit und die wertvollen Tipps!

Liebe B Corps, wir hoffen, dass wir Euch damit ein paar hilfreiche und wertvolle Insights mit auf den Weg geben konnten. Wenn Ihr weitere Fragen habt, dann meldet Euch gerne beim B Lab Deutschland-Team: germany@bcorporation.eu

Sympatex: Collaboration and Innovation in the Circular Economy

  • Einzelhandel
  • Umweltverantwortung und zirkuläres Wirtschaften

“Unser primärer Strategiefokus ist auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und dieses Ziel ist sogar höher gewichtet als kurzfristige finanzielle Vorteile”

Sympatex wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal in der Kategorie Umwelt als “Best for the World” ausgezeichnet. Wir stellen Rüdiger Fox, CEO bei Sympatex, 5 Fragen dazu und erfahren u.a. warum Wettbewerb nicht mehr funktionieren kann und warum es eine gute Idee war, das Unternehmen 2016 für einen Tag zu schließen.

 

Was hat aus Deiner Sicht zu dieser Auszeichnung geführt? Was repräsentiert die hohe Punktzahl in der Kategorie?

Wir haben bei Sympatex das Thema Nachhaltigkeit als Unternehmensziel festgelegt. Wir stehen dafür ein, dass jedes Unternehmen seine Ziele in einem größeren sozial-ökonomischen System in dieser komplexen Welt betrachten muss. Insofern ist unser primärer Strategiefokus auf Nachhaltigkeit ausgerichtet und dieses Ziel ist sogar höher gewichtet als kurzfristige finanzielle Vorteile.

 

Ihr habt in der Kategorie zudem mehrere Impact Business Models. Kannst Du kurz beschreiben, was diese bedeuten und ausmachen?

Wir haben festgestellt, dass wir als Anbieter einer Polyestermembran das fehlende Element in der Textilindustrie im Bereich Kreislauftextilien sind. Polyester macht 80% der Synthetik-Materialien unserer Industrie aus.

Wir können Produkte über unsere Monomaterial-Strategie schon so vorbereiten, dass sie am Ende ihres Lebens einfach recycled werden können. Und das war auch der Kern sämtlicher Innovationsthemen und Entwicklungsprojekte der letzten Jahre. Wir geben unseren Kunden dadurch die Möglichkeit sich heute schon auf die Kreislaufwirtschaft einzustellen.

 

Welchen konkreten Impact habt ihr mit den Maßnahmen in dieser Kategorie erreichen können? Worauf seid ihr besonders stolz?

Wir haben bereits 2016 ein Konsortium gegründet, deren Mitglieder die Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie repräsentieren – Wear2Wear. Alle Partner haben über fünf Jahre daran gearbeitet, dass Kreislaufwirtschaft bereits heute in der Textilindustrie möglich ist.

Wir haben letztes Jahr auf der ISPO in München eine Jacke vorgestellt, auf die wir ganz besonders stolz sind: Eine komplett aus Alttextilien hergestellte Jacke. Wir haben damit den Beweis geführt, dass Kreislaufwirtschaft möglich ist. Wir haben eine Referenz geschaffen, an der sich die neue EU Gesetzgebung orientieren kann. Es ist somit keine Theorie mehr, sondern fassbare Realität.

 

Ohne wen wäre die Auszeichnung nicht möglich gewesen?

Ich glaube die Strategie konnte nur Realität werden, weil sie von allen Mitarbeitern gemeinsam ermöglicht wurde und damit Leitgedanke für alle Aktivitäten in allen Bereichen ist.

Es wurde nichts von oben nach unten gesteuert, sondern jegliche Veränderung konnte von unten nach oben in der Organisation wachsen und somit können sich auch alle mit den Ergebnissen identifizieren. Und dabei war entscheidend, dass wir 2016 als Kernstrategie „We are closing the loop, together“ gemeinsam mit allen Mitarbeitern entwickelt haben.

Dafür haben wir damals das Unternehmen für einen Tag geschlossen und gemeinsam das Fundament erarbeitet. Hätten wir das nicht gemacht, wäre es vermutlich fragmentarisch geworden oder nur ein bisschen Greenwashing. So ist es tatsächlich eine Realität, die in alle Bereiche des Unternehmens automatisch einfließt. Jeder versucht, schon fast auf eine natürliche Art und Weise, das Unternehmen jeden Tag ein Stückchen mehr in die Richtung zu bringen, in die sich unsere Industrie ganzheitlich hin entwickeln muss.

 

Abschließend, was sind 3 Wörter, die für Dich die B Corp-Bewegung ausmachen?

 Mut.

… weil diejenigen, die sich der Bewegung anschließen, nicht nur die sind, die erkannt haben, dass sich Dinge ändern müssen, sondern auch den Mut haben, entgegen von Widerständen und Kritik, sie auch tatsächlich umzusetzen.

 

Realistisch.

…weil es tatsächlich durch die Umsetzung in den Unternehmen nicht eine Moraltheorie ist! In Realität beweist jedes B Corp-Unternehmen jeden Tag neu, dass eine andere Form des Wirtschaftens auch ein Erfolgsmodell ist. Dabei widersprechen Nachhaltigkeit und soziale Verträglichkeit in keinem Fall wirtschaftlichem Erfolg – beides kann im Gleichklang laufen.

 

Kollaborativ.

…weil jeder, der sich mit der Kreislaufwirtschaft auseinandersetzt feststellen wird, dass in einem Wirtschaftssystem, bei dem jeder gleichzeitig Kunde und Lieferant ist, Wettbewerb gar nicht mehr funktionieren kann. Und insofern ist B Corp der Upgrade dessen, was Wirtschaft bedeuten kann und daher ein Beispiel dafür, wie die Zukunft aussehen wird.

 

Über Sympatex

Als einer der weltweit führenden Anbieter ist Sympatex® seit 1986 Synonym für Hightech-Funktionsmaterialien in Bekleidung, Schuhen, Accessoires und technischen Anwendungsbereichen. Sympatex entwickelt, produziert und vertreibt gemeinsam mit ausgewählten Partnern weltweit Membrane, Laminate und Funktionstextilien sowie Fertigfabrikate. Die Technologien und Prozesse basieren auf dem Prinzip von ökologischer Verantwortung und Nachhaltigkeit unter besonderer Berücksichtigung eines minimierten Carbon Footprints. Sympatex ist weltweit mit Verkaufsbüros und Niederlassungen vertreten.

Mehr Informationen auf www.sympatex.com

Über “Best for the World™

Jedes Jahr zeichnet B Lab die leistungsstärksten B Corps aus. “Best for the World” lautet die Auszeichnung für ein B Corp-zertifiziertes Unternehmen, wenn es in einem der fünf Wirkungsbereiche – Gemeinschaft, Kunden, Umwelt, Unternehmensführung und Mitarbeitende – zu den weltweit besten 5 % in ihrer jeweiligen Größengruppe gehören. Diese Unternehmen beweisen, dass sie erfolgreich die drei Säulen der Nachhaltigkeit integriert haben und als “die Besten für die Welt” eine Vorreiterrolle in einer Bewegung einnehmen, die die Transformation der Wirtschaft zu einer einer Stakeholder-orientierten und inklusiven Wirtschaft vorantreibt.

Dieses Interview erschien zuvor auf Karry Schwettmann’s Blog